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Unsere Buchtipps

 

werden von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in völliger Unabhängigkeit ganz nach ihren Leseinteressen verfasst und geben deshalb ausschließlich ihre eigene persönliche Meinung wieder.
Es lesen für Sie:

 

H.K. = Heinz Kischkel
B.Sch. = Bernd Schäfer
M.S. = Marius Schiffer
B.St. = Beate Sturmeit

Stockmans Melodie

Tordo, João

Montag-Freitag jeweils bis 18.00 h bestellt: am Folgetag ab 10 h abholbereit! Ab Fr nach 18 Uhr: Abholbereit am Di ab 10 Uhr!

Erscheinungsjahr : 2017

EUR 10,99 inkl. MwSt.

Neues vom unheimlichen Doppelgänger

Stockmans Melodie ist ein phantastisch geschriebenes und raffiniert konstruiertes Verwirrspiel, dessen Lektüre vielfältiges, bisweilen gruseliges Vergnügen bereitet. Der Roman besteht aus zwei Teilen, dessen erster Teil die Geschichte des kurzzeitig in Montreal erfolgreichen, dann jedoch im Alkoholismus abstürzenden Kontrabassisten Hugo erzählt. Nach Lissabon zurückgekehrt, um sich von seiner Mutter aushalten zu lassen, versucht Hugo, endlich jene Komposition zu vollenden, die ihm schon lange durch den Kopf tönt. Doch bevor ihm das gelingt, erlebt er einen Schock: in einem Konzert des angesagten Jazzpianisten Luis Stockman spielt dieser Ton für Ton Hugos Melodie. Damit wird eine Ereigniskette in Gang gesetzt, welche die Identität Hugos immer weiter verwirrt und in ein dramatisches Finale führt. Der zweite Teil wird vom als Ich-Erzähler auftretenden Autor erzählt, der sich als enger Freund von Luis Stockman ausgibt und nun die Geschichte aus dessen Perspektive spiegelt. Dabei wird die Frage nach dem Verhältnis von Hugo und Luis nur noch mysteriöser, im Duktus der Aufklärung geschieht das genaue Gegenteil, ebenfalls in einen dramatischen Schluss führend.

Tordo überzeugt nicht nur mit seiner wahrhaft unheimlichen Handlung, sondern auch mit einer Vielzahl interessanter Figuren, mit archetypischen Leitmotiven (wie dem klassischen Doppelgänger) und einer großartigen Sprache.

Wer noch Emmanuel Carrères Der Schnurrbart kennt, findet hier eine kongeniale, literarisch sogar bessere Variation über das gleiche Thema. Von fern grüßt auch H. P. Lovecrafts Die Musik des Erich Zann, dessen Leser sich ebenfalls von Tordo begeistern lassen dürften.

(H.K.)


Manchmal rot

Baronsky, Eva

Montag-Freitag jeweils bis 18.00 h bestellt: am Folgetag ab 10 h abholbereit! Ab Fr nach 18 Uhr: Abholbereit am Di ab 10 Uhr!

Erscheinungsjahr : 2017

EUR 9,99 inkl. MwSt.

Variation über eine amour fou

Der Jurist Christian von Söchting jongliert mit vielen fiskalischen Bällen und steht kurz vor dem ganz großen Deal, als ihm der kleinste 'Ball', seine schwarzarbeitende Putzfrau Angelina, zu Boden fällt. Und zwar wörtlich: beim Auswechseln einer Glühbirne erleidet sie einen Stromschlag und fällt von der Leiter. So wird sie für Christian kurzfristig zum Problem. Angelina Niemann [als nomen loquens = Niemand!] verkörpert das genaue Gegenteil von Christian. Wie Angelina, die nach ihrem Unfall unter einer retrograden Amnesie leidet, sich in Christians Leben einschleicht, davon handelt dieser streckenweise schon märchenhafte Roman. Während der skrupellose Söchting, der sich soeben anschickt, just jene Geschäftspartner, die ihn in seine Karriere hievten, auszubooten, genau so auch in Juli Zehs unterkühlten Romanen auftreten könnte, entfaltet die synästhetisch begabte Angelina eine emotionale Wucht, wie ich sie lange nicht mehr gelesen habe. Die Darstellung der Figuren ist scharfsichtig, empathisch und vielschichtig, einzig der Schriftsteller Jan, dem Angelina gegen Ende verfällt, scheint kurz in den Zuckerguss gefallen zu sein. Besonders beeindruckt haben mich jedoch die präzisen, fein abgestimmten, niemals überzogenen Charakterzeichnungen der Antipoden Christian und Angelina, die bis in die schichtspezifische Sprache wohlüberlegt sind.
Das Buch hält die genaue Mitte zwischen Gesellschaftsroman und Liebesgeschichte, es ist konventionell chronologisch, dabei sehr stilsicher erzählt, allein der Wechsel zwischen auktorialer und Ich-Erzählung, meist mitten im Satz, bringt eine originelle Note ins Erzählte. Den bisherigen Highlights aus diesem Jahr von Leif Randt, David Albahari und Natascha Wodin steht Eva Baronsky in nichts nach.

(H.K.)


Das Schachmädchen

Crothers, Tim

Montag-Freitag jeweils bis 18.00 h bestellt: am Folgetag ab 10 h abholbereit! Ab Fr nach 18 Uhr: Abholbereit am Di ab 10 Uhr!

Erscheinungsjahr : 2017

EUR 10,99 inkl. MwSt.

Du hast keine Chance, also nutze sie

Phiona Mutesi wurde am 28.3.1996 in Katwe, Uganda geboren. Ein europäischer Leser wird kein Problem haben, diese Information aufzunehmen. In Katwe hingegen würde das niemand glauben, denn dort, im Slumviertel der Hauptstadt Kampala, kennt man sein Geburtsdatum nicht. Als Phiona für ihre Papiere einen 'Geburtstag' brauchte, trug sie einfach zu dem von ihrer Mutter geschätzten Jahr noch den Tag einer Klassenfeier ein, einer der wenigen Tage in ihrem Leben, den sie in guter Erinnerung hatte. Als sie etwa neun Jahre alt war, geriet sie auf der Suche nach einer Mahlzeit in die seltsame Schachschule von Robert Katende. Dort erhielt sie nicht nur das erhoffte Essen, sondern auch ihre erste Schachstunde. 2009 war sie bereits die beste Schachspielerin Ugandas, die Papiere benötigte sie 2010  für den Flug zur Schacholympiade in Russland. Ihre Geschichte ist ähnlich beeindruckend wie die von William Kamkwamba, dem Jungen aus Malawi, der allein aus Schrott ein Windrad baute. Tim Crothers ist für seine umfangreichen Recherchen zu danken.

Die jetzt anlaufende Disney-Verfilmung des Stoffes begräbt hingegen das ganze Elend unter der falschen Botschaft: 'Jeder kann es - wie Phiona - nach oben schaffen'! Das haben Phiona und besonders ihre Schwestern und Brüder in Katwe nicht verdient! 

(H.K.)


Lampe und sein Meister Immanuel Kant

Herzog, Antje

Montag-Freitag jeweils bis 18.00 h bestellt: am Folgetag ab 10 h abholbereit! Ab Fr nach 18 Uhr: Abholbereit am Di ab 10 Uhr!

Erscheinungsjahr : 2017

EUR 26,00 inkl. MwSt.

Ein wunderbarer Zugang zu Immanuel Kants Leben

Vierzig Jahre lang diente Martin Lampe (er hieß wirklich so!) als Faktotum in Kants Haus, in dem das Licht der Aufklärung angezündet wurde, bevor Kant ihn wegen seiner Trunksucht entlassen musste (da hatte er die falsche Lampe angezündet...).

An dieser vieldeutigen Figur hängt Antje Herzog ihre großartige, künstlerische und lehrreiche Graphic Novel über den Königsberger Philosophen auf, die vor allem als Charakterstudie zu lesen ist. Kants Eigenheiten, sein streng geregeltes Leben und seine Idiosynkrasien werden liebevoll ins Visier genommen (insbesondere im Kapitel der zehn 'Störenfriede'). Zeichnerisch ist das Thema exzellent umgesetzt. Das Buch beginnt mit Kants berühmter Bewunderung für den Sternenhimmel, von dort wird über mehrere Seiten aus einer Sonne ein Kerzenlicht als Symbol der Aufklärung. Das Gelb des Lichts wird dann die Signalfarbe für Kant im sonstigen Schwarz-Weiß-Geschehen. Die Zitate von Kant, Lampe und anderen Zeitgenossen werden in je verschiedenen Schriftarten wiedergegeben. So hat die Autorin und Künstlerin viele gute Entscheidungen getroffen und ein wahres Kunstwerk erschaffen. In dessen Mittelpunkt ruht als wohl schönstes Bild der auf einem Ast im Blätterwerk sitzende Vogel, eine Grasmücke, deren Wiederkehr Kant alljährlich herbeisehnte.

(H.K.)


Geständnisse

Minato, Kanae

Montag-Freitag jeweils bis 18.00 h bestellt: am Folgetag ab 10 h abholbereit! Ab Fr nach 18 Uhr: Abholbereit am Di ab 10 Uhr!

Erscheinungsjahr : 2017

EUR 16,99 inkl. MwSt.

Thriller der Extraklasse

Die beiden 13-jährigen Schüler Naoki Shitamura und Shuya Watanabe haben nach Ansicht der Lehrerin deren vierjährige Tochter ermordet und es wie einen Unfall aussehen lassen. Dafür rächt die Lehrerin sich auf perfide Weise. Der Roman überzeugt bereits durch seine Anlage, indem in sechs Kapiteln fünf Ich-Erzähler auftreten und in je verschiedenen Textsorten wie Rede, Brief, Telefonat etc. ihre 'Geständnisse' abliefern. Der Roman bildet viele Aspekte des modernen Japans ab, die uns im Westen keineswegs fremd anmuten. Mütter, mal verblendet und erdrückend, mal ambivalent zwischen Fürsorge und Hass, blasse Väter und ahnungslose Lehrer stehen Jugendlichen gegenüber, die an Leistungsdruck, übersteigerten Erwartungen und innerer Leere zu zerbrechen drohen.

Und das alles ist in eine atemberaubend spannende Handlung verpackt. Unbedingt lesenswert!

(H.K.)


Patience

Clowes, Daniel

Montag-Freitag jeweils bis 18.00 h bestellt: am Folgetag ab 10 h abholbereit! Ab Fr nach 18 Uhr: Abholbereit am Di ab 10 Uhr!

Erscheinungsjahr : 2017

EUR 29,00 inkl. MwSt.

Liebe in den Zeitschleifen

Daniel Clowes zählt zur Avantgarde im Genre der Graphic Novel. Sein neues Meisterwerk bestätigt seinen guten Ruf. Schon optisch beeindruckt das durchgehend farbig gestaltete, 177 Seiten starke Opus. Dazu kommt eine künstlerisch wirkungsvolle ebenso vertrackt wie spannend erzählte Geschichte.

Sie beginnt im Jahr 2012 im amerikanischen White Oak, als Jack Barlow seine schwangere Frau Patience ermordet in seiner Wohnung auffindet. Er ist und bleibt untröstlich, bis im Jahr 2029 einem privaten Forscher das Zeitreisen gelingt. Jack beamt sich zunächst ins Jahr 2006 zurück, um den späteren Mord schon im Ansatz zu verhindern. Ein Missgeschick bringt ihn noch weiter zurück ins Jahr 1985, bevor es ihm gelingt, direkt am Mordtag an den Tatort zu gelangen.

Die Geschichte wirkt deshalb vertrackt, weil Jack durch seine Auftritte in der Vergangenheit diese verändert, leichte Verschiebungen nur, die aber das Verständnis für die Abläufe erschweren. Hinter der spannenden, bisweilen brutalen Oberfläche verbirgt sich neben der intellektuellen Spielerei mit den Antinomien des Zeitreisens vor allem die großartige Romantik einer unsterblichen Liebe, die Jack alles riskieren lässt, um seine Frau und das Kind zu retten.

Die zeichnerischen Fähigkeiten Clowes' sind über jeden Zweifel erhaben, er schafft großartige Landschaften, eindrucksvolle Charaktere und, durch farbliche Signale deutlich abgegrenzt, explosive Phantasiewelten.

Wie schon bei Craig Thompsons letzter Graphic Novel, Weltraumkrümel, die bei voller Farbigkeit noch umfangreicher ist, mag manchem Freund der klassischen Schwarz-Weiß-Kunst das Farbgewitter vielleicht missfallen, doch erreichen viele Szenen gerade durch die gekonnte Farbgebung eine größere Klarheit und Ausdruckskraft.

(H.K.)


Das Tierreich

Albahari, David

Montag-Freitag jeweils bis 18.00 h bestellt: am Folgetag ab 10 h abholbereit! Ab Fr nach 18 Uhr: Abholbereit am Di ab 10 Uhr!

Erscheinungsjahr : 2017

EUR 20,00 inkl. MwSt.

Wenn ein Tiger erzählt

Zu den wenigen lebenden Autoren, deren Werk ich mit Bewunderung möglichst vollständig lese und deren neuen Romanen ich wirklich entgegenfiebere, zählt neben dem Deutschen Georg Klein und dem Iren David Mitchell auch der Serbe David Albahari. Stilistisch brillant wie Klein, narrativ genial wie Mitchell, spricht Albahari, der selbst Thomas Bernhard als eines seiner Vorbilder zitiert, doch mit einer ganz eigenen Stimme.

Sein neuestes Kleinod heißt Das Tierreich und lotet auf originelle Weise die Grenzen der Erzählkunst aus. Dieser Roman besteht scheinbar aus 'Einleitung', 'Prolog', 'Die Geschichte', 'Epilog' und 'Endnoten', die jedoch erst in ihrer Summe den Roman bilden und ihn damit in seiner raffinierten Form als postmodern ausweisen.

Wer nun den Inhalt referiert, begibt sich bereits auf einen Holzweg. Dort erfährt man, dass der Erzähler sich zu einem Mord an Dimitrije Donkic gezwungen sah, einem wahren Unmenschen, der drei gemeinsame Freunde auf dem Gewissen hatte und schließlich auch das Leben des Erzählers bedrohte. Das sogenannte 'Tierreich' war ein Soldaten-Quintett in der Jugoslawischen Volksarmee um 1970, das seine Bezeichnung den tierischen Spitznamen verdankte. So wurde Donkic 'Waschbär' genannt, der Erzähler 'Tiger'. Ein weiteres Mitglied, Mischa, genannt der 'Spatz', war angeblich einer der Anführer der Studentenunruhen von 1968 in Belgrad. Donkic hatte deshalb offenbar von der Regierung den Auftrag, den 'Spatzen' zu liquidieren. Dass am Ende der Erzähler als Einziger überlebt, ist nicht nur rätselhaft, sondern ein Mosaikstein in einem Bild, in dem der 'Tiger' eine ganz andere Rolle gespielt haben könnte, als er es uns hier erzählt.

Der Erzähler schreibt wie unter Zwang, etwas gestehen zu wollen und es doch nicht zu können. Wie Albahari das macht, immer wieder vor dem zu Erzählenden auszuweichen und dabei winzige Blitze einer anderen Wahrheit zwischen die Zeilen zu schieben, das ist ganz große Kunst. Thematisch geht es um Macht und Machtmissbrauch, um Diskriminierung und Liquidierung des Andersseins, seien es Kommunisten, Homosexuelle oder Intellektuelle. Erzählerisch geht es indes um die Frage nach der einen wahren Geschichte hinter all den erzählten. Im Grunde sind das mehrere Spagate, die Albahari alle mit Bravour meistert.

(H.K.)


Wenn Männer mir die Welt erklären

Solnit, Rebecca

Montag-Freitag jeweils bis 18.00 h bestellt: am Folgetag ab 10 h abholbereit! Ab Fr nach 18 Uhr: Abholbereit am Di ab 10 Uhr!

Erscheinungsjahr : 2017

EUR 9,99 inkl. MwSt.

Sieben Essays

Sieben sehr unterschiedliche, aber immer vielschichtige Essays sind in diesem äußerst lesenswerten Band zusammengestellt.

Solnits Feminismus-Begriff orientiert sich weniger an einem konfrontativen Gendergedanken im Sinne eines Geschlechterkampfes, der die Frauen unter dem Fanal, sie daraus befreien zu wollen, zuallererst in die Opferrolle hineindefiniert. Stattdessen schließt ihr Feminismus an fortschrittliches, ökologisches und antimilitaristisches Denken an. Ihre Betrachtungen, in denen sie die Frauenbewegung auf dem Weg sieht, nicht geradlinig natürlich, nicht rückschlagfrei, aber doch nach vorn ins Freie, Bessere, erinnern stark an Ernst Blochs Prinzip Hoffnung.

Unter den Essays ragt für mich der über Virginia Woolf heraus. Solnit zitiert Woolfs eigenartiges Lob der Dunkelheit: 'Die Zukunft ist dunkel, was wohl das Beste ist, was die Zukunft sein kann'. Man kann dies aus einer daoistisch- philosophischen Perspektive als Lob des Yin-Prinzips begreifen, da das daoistische Yin zugleich für das Dunkle und das Weibliche steht. Die komplexen und originellen Überlegungen Solnits, etwa zu Susan Sontags Kritik der Interpretation, können hier nicht wiedergegeben werden. So muss der Hinweis genügen, dass das Lob der Dunkelheit vor allem eine Kritik der Quantifizierbarkeit impliziert: 'Die Tyrannei des Quantifizierbaren resultiert zum einen aus dem Unvermögen von Sprache und Diskurs, zum anderen aus dem Unvermögen der Entscheidungsträger, diese weniger greifbaren Dinge zu verstehen und wertzuschätzen.' Daraus resultieren viele falsche Prioritäten, wie Profit vor Allgemeinwohl, Schnelligkeit vor Qualität, Effizienz vor Freude, das Pragmatische vor den Geheimnissen. Im Endeffekt 'ist die Zerstörung der Erde zu einem - vielleicht sogar großen - Teil das Ergebnis unzulänglichen Vorstellungsvermögens oder der Überlagerung durch Bilanzierungssysteme, die das, worauf es ankommt, nicht erfassen können.' Um diesen Gedanken zu erfassen, lese man die großartigen Essays Solnits!

(H.K.)


Planet Magnon

Randt, Leif

Montag-Freitag jeweils bis 18.00 h bestellt: am Folgetag ab 10 h abholbereit! Ab Fr nach 18 Uhr: Abholbereit am Di ab 10 Uhr!

Erscheinungsjahr : 2017

EUR 10,99 inkl. MwSt.

Planet Schlaraffia

Diese ziemlich geniale Dystopie erzählt die Geschichte einer Revolte. In einem Miniversum aus sechs Kleinplaneten lebt eine von 'ActualSanity' (AS), einer Künstlichen Intelligenz, regierte und mit Ideologie und Drogen sedierte Menschheit. Sie ist in einer Scheinvielfalt von konkurrierenden 'Kollektiven' gegliedert, der Erzähler Marten Eliot und seine Kollegin Emma Glendale etwa gehören dem Kollektiv 'Dolfin' an. Von ihrer Standardaufgabe, neue Mitglieder zu rekrutieren werden sie abgezogen, als ein neues Kollektiv, das sich 'Hank' nennt, Anschläge verübt. Marten und Emma sollen den Widerstand der Hanks, die offenbar die Rückkehr zu gefährlichen Gefühlen predigen, ins System integrieren. Der Titel Planet Magnon verweist übrigens nicht auf einen Planetennamen, sondern auf eine neue Droge 'Magnon', deren Einführung die nächste Stufe zur vollständigen 'Schlaraffisierung' der Menschheit bedeuten würde.

Der Roman ist mit beeindruckender Stilsicherheit verfasst, voller phantastischer Einfälle, berückend schöner Beschreibungen und legt zahlreiche Fährten für alle Leserinnen und Leser. Die Phantastik ebenso wie die bewusste Fiktionalität und der Anspielungsreichtum (auf Star Trek, Jurassic Park u.a.) lassen den Roman gleichsam als kleinen Bruder von Georg Kleins Die Zukunft des Mars erscheinen.

Wegen der literarischen Qualität kann man Planet Magnon ebenso gut als Dystopie lesen wie auch als satirischen Roman, als Gleichnis auf unsere nähere Zukunft. Leif Randt kann phantastisch konstruieren und ebenso gut erzählen. Die zum revoltierenden Hank-Kollektiv Übergelaufenen werden von diesem als 'Erwachte' bezeichnet. Dieses Zitat des buddhistischen Zentralbegriffes kann hier alles sein: eine spirituelle Utopie, bittere Ironie oder eine bedeutungsoffene Chiffre. Die Leser dürfen entscheiden.

(H.K.)


"Hier bin ich Mensch, hier will ich sein"

vergriffen

Erscheinungsjahr : 2016

EUR 12,50 inkl. MwSt.

Bochumer schreiben über Bochum

Vor gut einem Jahr hatte die Buchhandlung Janssen anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens einen Schreibwettbewerb durchgeführt. Firmengründer Hanns Janssen hatte sich das Thema 'Hier bin ich Mensch, hier will ich sein' in Abwandlung eines Goethe-Zitats ausgedacht. Über 150 Einsendungen wurden dazu eingereicht. Die 23 besten sind jetzt in einem ansprechend gestalteten Band veröffentlicht worden.
Nein, es sind nicht nur Bochumer Autorinnen und Autoren, und sie haben auch nicht alle über ihre Erlebnisse in dieser Stadt geschrieben. Doch die große Mehrheit der Geschichten und Gedichte stammen aus der Feder von Talenten dieser Stadt. Einige bekannte sind darunter und viele sind noch zu entdecken.
So haben sich zum Beispiel Monika Buschey, Arne Nobel und der Lyriker Michael Starcke an dem Schreibwettbewerb beteiligt. Monika Buschey hat eine höchst originelle Schöpfungsgeschichte aus weiblicher Sicht verfasst und damit den Wettbewerb gewonnen (Die andere Welt).
Explizit um Bochum geht es dann in der zweitplatzierten Erzählung von Céline Melanie Spieker, die den Hustadtkindern ein einfühlsames, warmherziges Denkmal gesetzt hat. Ihre Geschichte spielt aber nicht nur in der Vergangenheit, sondern greift mit der Ankunft des afghanischen Flüchtlingsjungen Arat in der Hustadt eine aktuelle Problematik auf.
Wer Arne Nobel kennt, weiß, dass ihn hier ein wortstarker expressiver Text auf hohem Niveau erwartet (Auszüge aus dem Logbuch des Ulysses John Sekulla). Er handelt von Erfolg, Scheitern und Hoffen des Künstlers in Bochum.
'Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen', so lautet ein weiteres Goethe-Wort, das in diesen Zusammenhang passt. Denn bunt und unterschiedlich sind die Beiträge. Sie behandeln Themen wie Kunst, Bergbau, aber auch Gyros, Musik und natürlich die Liebe im Ruhrgebiet. Als besonders originell stechen die Science-Fiction-Story von Mathis Gronau (Ich) und das Theaterstück von Christopher Wulff (Der Tag danach) heraus. Das Buch mit vielen interessanten Geschichten und Gedichten ist ab sofort in unserer Buchandlung erhältlich.

(H.K.)


Buchhandlung Janssen

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