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Gesellschaftsroman

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein...

 


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Schnecke schlägt Habicht

Helen Macdonald

H wie Habicht (Originaltitel: H is for Hawk)

Anfangs war ich, wie offenbar alle Kritiker/innen von FAZ bis TAZ, begeistert von Macdonalds 3-in-1-Buch, den Nachforschungen über Falknerei, über Trauerarbeit nach dem Tod des Vaters und über den unglücklichen homosexuellen Schriftsteller T.H. White. Auch ich war geblendet von dem großartigen Erzähltalent, dem treffsicheren Stil und der nahtlosen Verknüpfung der drei so unterschiedlichen Themen.

Dennoch begleitete von Anbeginn an auch ein Unbehagen meine Lektüre, das ich jedoch lange Zeit nicht auf einen Begriff bringen konnte. Zum einen schien mir mit den allzu schönen Sätzen viel Unlogisches kaschiert zu sein. Warum etwa sollte ausgerechnet ein Tier, dessen Handwerk, wie Macdonald immer wieder betont, das Töten ist, besonders gut dafür sich eignen, den Tod des eigenen Vaters zu verarbeiten? Des weiteren schienen mir viele der im Laufe der Abrichtung des Habichts gewonnenen 'Weisheiten' weniger einer Philosophie als einem esoterischen Geraune zu gleichen. Und schließlich hatte die ausdrückliche Identifikation mit dem Habicht etwas Archaisches, beinahe Atavistisches.

Ein erster Schritt zum Verständnis dieses Unbehagens gelang mir, als ich Macdonald weniger an dem anderen großartigen 3-in-1-Buch maß, Edmund de Waals Der Hase mit den Bernsteinaugen (die drei sind hier: Familiengeschichte der Ephrussi, Kunstgeschichte des Japonismus und jüngere Geschichte des Antisemitismus), als vielmehr an Elisabeth Tova Baileys Das Geräusch einer Schnecke beim Essen. Tatsächlich, so belehrte mich das Internet, firmiert dieser neue literarische Tierreichtum unter dem Label „New Nature Writing”, eine so bemerkenswerte wie bedenkliche Hinwendung zu Heimat und Natur, eine Überhöhung zwischen Anthropomorphismus und Apotheose. Mangels empathischer Menschen wird ein Tier (Schnecke, resp. Habicht) zur Identifikationsfigur, mit deren Hilfe der Mensch einen neuen Halt in der alten Natur findet. Während Baileys Schnecke das alles mit Charme, Esprit und Gelassenheit zum Seelenfrieden führt, setzt Macdonalds Habicht andere Signale. Er steht für den blanken Darwinismus, Fressen und Gefressenwerden, Überleben des Stärkeren.

An diesem Punkt meiner Überlegungen ging mir plötzlich auf, dass es zum Text des Buches einen kompletten Subtext gibt, der in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil des Oberflächentextes verkündet. Daher resultierte also mein Unbehagen! In diesem Subtext steht das „H” nicht primär für den Habicht, sondern für Helen, die ihrerseits und somit erst sekundär für (die Identifikation mit dem) Habicht steht. Whites Homosexualität ist im Subtext voller Perversität, deshalb wird er mit dem Scheitern seiner Falknerei 'bestraft' (- und steht im Kontrast zum glänzenden Gelingen bei Macdonald, ein Eigenlob, das ebenfalls geschickt kaschiert wird). Verräterisch gelangt der Subtext in einer Fehlleistung des Rezensenten Andreas Isenschmid an die Oberfläche. In seiner Buchbesprechung „Der Habicht war, was ich sein wollte”, schreibt er über Macdonalds Homosexualität, wohl unabsichtlich, herabsetzend: „White war ein ... sadistischer Schwuler” (nachzulesen auf: „Zeit-Online”).

Schließlich erscheint der Habicht als Mythos, die Identifikation mit dem Tier als Totemismus, der Verlag gibt als Schlagwort, eine Ebene zu hoch, „Spiritualität” an (auf: ullsteinbuchverlage.de).

Und unter der scheinbar reflektierten „Trauerarbeit” findet tatsächlich eine „schamanische Reise” statt, wie sie bei sibirischen und indianischen Völkern üblich war (vielleicht noch ist - und von Esoterikern gern imitiert wird). Zum Zwecke der Heilung (hier: von der Depression) sucht der Schamane ein „Krafttier” (z.B. einen Habicht), mit dessen Hilfe in einer Art Trance oder Traumreise der Krankheitsauslöser aufgesucht und überwunden wird.

Gegen Ende von H wie Habicht wird die Erzählerin aus einem Alptraum durch ein kurzes, aber heftiges Erdbeben geweckt und gerät in Panik. Ihr Habicht hingegen, der auf den Namen Mabel hört, bleibt ruhig. Sie kommentiert (da es ein Weibchen ist, heißt es „sie”): „... in diesem Moment ist Mabel mehr als ein Habicht. Sie ist ein Schutzgeist. Mein kleiner Hausgott ... Die Welt ist voller Zeichen und Wunder ... Ich hatte geglaubt, die Welt würde untergehen, doch wieder hatte mich mein Habicht gerettet.” (S. 382; da der Habicht-Vogel gar nichts unternommen hatte, kommt diese „Rettung” allein vom Habicht-Geist!)

Nachdem mein Unbehagen sich so aufgeklärt hat, kann ich das Buch wieder empfehlen: es ist glänzend geschrieben, voller metaphorischer Perlen und ehrlicher Selbsterforschung. Es ist ein gutes Buch, nur seine Botschaft will mir doch bedenklich scheinen.

(H.K.)


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