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Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler Roman über Beatrix Potter
Empfohlen für alle ab 12 Jahren Nach Simpel und So oder so ist das Leben ist diese fiktive Autobiographie der Beatrix Potter,
die das Leben einer willensstarken jungen Frau im viktorianischen England des späten 19. Jahrhunderts schildert, bereits
der dritte Streich der Autorin. Jeder Roman behandelt ein anderes Thema auf andere Weise, aber jedes Mal gelingt der Autorin ihr
Vorhaben absolut überzeugend. Großartig, wie sie hier die Zeit einfängt, die von steifen Konventionen geprägt ist, in der Eltern und Kinder sich wechselseitig siezen, in der Charity erst durch einen Besucher, der sich mit ihrem Vater unterhält, erfährt, dass dieser überhaupt sprechen kann. Ihre Liebe zu dem charmanten, aber eher mittelmäßig begabten Schauspieler Kenneth Ashley hat in dieser Zeit keine Chance, gelebt zu werden. Doch die Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts, in der Oscar Wilde und G. B. Shaw die Bühnen erobern, ist im Wandel begriffen, und Charity ist eine selbstbewusste Frau, die sich allmählich emanzipiert. Ihre Introvertiertheit, ihr zugleich wissenschaftliches und emotionales Interesse an den Tieren, die sie beherbergt, ihr zunehmend kritischer Umgang mit den Konventionen, das alles ist in treffsicheren Szenen und humorvollen Dialogen glänzend eingefangen. Das Leben der Charity Tiddler alias Beatrix Potter mag, wie der Untertitel der deutschen Ausgabe ironisch behauptet, "ganz und gar unbedeutend" gewesen sein, doch Murail macht in ihrer Darstellung daraus ein exemplarisches Leben, in dem sich die ganze Epoche wie in einer Linse bricht und schildert dazu ein ergreifend sympathisches Leben, dessen Gang man mit staunender Aufmerksamkeit und einem ständigen leichten Schmunzeln verfolgt. Fischer Verlag 2011, 570 S., 16,95 € H.K.
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Saeculum Roman
Empfohlen ab 13 Jahren Eigentlich interessiert der ehrgeizige Bastian sich nur für sein Medizinstudium, doch seine neue
Freundin Sandra lockt ihn auf einen Mittelaltermarkt, wo sie ihm weitere Mitglieder ihrer Rollenspielgruppe
"Saeculum" vorstellt. Völlig überraschend lädt Paul, der Leiter der Gruppe, Bastian zur Teilnahme an
einer solchen "Convention" ein. Das ist vor allem deshalb überraschend, weil diese Rollenspiele nur halb legal,
deshalb geheim und eigentlich ausschließlich langjährigen Mitgliedern der Gruppe vorbehalten sind. Sandra zuliebe
lässt Bastian sich darauf ein, und bald schon findet er sich mit einer kleinen Schar in einem völlig abgelegenen
österreichischen Waldstück wieder, wo ihm, wie den anderen, alle Errungenschaften, die nicht ins 14. Jahrhundert
passen, wie Handy, Brille und Uhr, abgenommen werden. Doch statt der angekündigten harmlosen Abenteuerspiele scheint ein
tödlicher Fluch, der nach Pauls Erzählung über der Gegend liegen soll, sich Punkt für Punkt zu
erfüllen. Die Gruppe gerät in Panik, ohne moderne Hilfsmittel wie Handys scheint ein Entkommen plötzlich nicht
mehr möglich und dann ahnt auch Bastian, warum er zu diesem Spiel eingeladen wurde... Allein das Auffächern eines Dutzend unterschiedlicher Charaktere nötigt Respekt ab. Die gruppendynamischen Prozesse in der zunehmend extremer, bedrohlicher und irrationaler werdenden Situation sind ebenso psychologisch überzeugend wie ungemein spannend dargestellt. Von den ersten Seiten an gerät der Leser in den Sog des Geschehens, der rätselhaften Ereignisse und überraschenden Wendungen. Und dieser Sog endet tatsächlich ohne Durchhänger erst mit den letzten Seiten. Saeculum erinnert vom Plot her ein wenig an den als Dokumentation ausgegebenen Spielfilm The Blair Witch Project aus dem Jahr 1999, in dem drei Studenten auf der Suche nach einer angeblich noch lebenden Hexe in einem Wald verschwinden. Saeculum ist aber allenfalls von der Grundidee mit dem Film vergleichbar und geht dann seine eigenen, nicht minder spannenden Wege. Loewe Verlag 2011, 492 S., 14,95 € H.K.
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Rico, Oskar und der Diebstahlstein Bd. 3 der Rico und Oskar-Trilogie
Empfohlen ab 10 Jahre Mit der spannenden Geschichte um den Diebstahlstein hat Steinhöfel ein glanzvolles Finale seiner
Rico und Oskar-Trilogie präsentiert. Wie schon in den beiden ersten Bänden ist der in Berlin lebende 'tiefbegabte'
Rico der Erzähler des Abenteuers, auf das ihn sein kleiner, aber hochbegabter Freund Oskar diesmal bis an die Ostsee
begleitet. Während Rico mit den Problemen seiner Lernschwierigkeiten zu kämpfen hat, fehlt es Oskar vor allem an
einer Familie. Seine Mutter ist fortgezogen und sein allein erziehender Vater leidet unter Depressionen. Doch hier im dritten
und letzten Band kommt es zu einem wunderbaren happy end. Mit seinem wunderbaren Humor erzählt Steinhöfel so einfallsreich, phantasievoll und herzenswarm, dass man kaum merkt, was er seinen Lesern alles unterjubelt: der lernbehinderte Rico, der aus dem Förderzentrum noch einen gehörlosen Freund mitbringt, der depressive Vater des kleinen Oskar. Der Nachbar Fitzke ist verrückt und beherbergt in seiner Wohnung eine riesige Steinesammlung, von der er behauptet, dass sie sich untereinander vermehre. Ricos Mutter arbeitet in einer Nachtbar, der Hausbewohner schräg unter Ricos Wohnung ist schwul und hat ständig neue Freunde, der Hausmeister ist Alkoholiker... Doch es geht dem Autor vor allem darum, uns seine Figuren als Menschen zu zeigen. Menschen, die trotz ihrer Besonderheiten und Probleme menschlich und mitmenschlich fühlen und handeln. Und dazu lässt er uns durch Ricos Brille auf die Ereignisse schauen, ein 'tiefbegabter', also sehr schlichter Junge, der seine Umgebung aber ganz genau und frei von Wertungen betrachtet. So bekommt dieser im Übrigen auch sehr tapfere Junge echte menschliche Größße. Und er lässt uns mehr oder weniger Normalbegabte mit unseren Vorurteilen ziemlich alt aussehen. Es gibt nur wenige Kinderbücher, an denen einfach alles stimmt. Hier ist Andreas Steinhöfel eines gelungen. Carlsen 2011, 327 S., 12,90 € H.K.
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Das zweite Leben des Cassiel Roadnight Roman
ab 14 Jahre Jenny Valentine hat einen Thriller für Jugendliche geschrieben, der durch seine unglaubliche Spannung
und seine geniale Raffinesse besticht. Der 16-jährige Chap hockt ohne Perspektive in einer Notunterkunft für schwierige Kinder im Osten Londons. Zu seinem Großvater, der ihn allein aufgezogen hatte, darf er nach dessen schwerem Unfall nicht mehr zurück. Die wahren Gründe dafür werden erst nach und nach deutlich. Chap hatte sich danach auf der Straße herumgetrieben und war in Lebensgefahr geraten. Schließlich hatte er aus Verzweiflung die Notunterkunft aufgesucht, wo er sich über seine Identität ausschweigt. Da tut sich plötzlich eine Tür auf: eine Mitarbeiterin des Heims findet das Foto eines seit zwei Jahren vermissten Cassiel Roadnight, der genau in Chaps Alter ist und ihm unglaublich ähnlich sieht. Nach kurzem Zögern ergreift Chap diese Chance und spielt fortan den verlorenen und nun zurückgekehrten Sohn. Das Wunschdenken der Familie verhindert, dass sie Chaps fremde Identität erkennen, obwohl er in diverse Fettnäpfchen tritt und auch einen ganz anderen, übrigens durchaus angenehmeren Charakter als Cassiel offenbart. Chaps Hoffnungen, in seiner neuen Familie glücklich zu werden, erfüllen sich jedoch zunächst nicht. Stattdessen kommt er allmählich einem ungeheuerlichen Familiengeheimnis auf die Spur, dessen zentrale Gestalt Cassiels älterer Bruder Frank ist, der sich daraufhin durch Chaps Wissen bedroht sieht. Ein spannender Showdown beginnt, der zudem mit einer faustdicken Überraschung, was Chaps wahre Identität betrifft, aufwartet. Die Geschichte ist raffiniert angelegt und extrem spannend erzählt. Bis kurz vor dem Ende ahnt man nicht, worauf die Handlung hinauslaufen wird. Die Auflösung ist dann gleichermaßen verblüffend wie überzeugend, was bekanntlich nur sehr selten gelingt. Das Buch transportiert neben der zeitweilig atemberaubenden Spannung auch einige bedeutende Botschaften. So hatte der allein erziehende 'Großvater' vormals ein besseres Zuhause geboten als die scheinbar 'heile' Familie der Roadnights. Dieser Großvater war zwar offenbar ein so genannter 'Pegel-Trinker', er liebte Chap aber von Herzen, führte ihn in die Weltliteratur ein und erzog ihn früh zur Selbständigkeit. Dieser Jugendroman bietet ein echtes Highlight unter den Neuerscheinungen des Jahres und ist für Jugendliche ab 14 Jahren, aber auch für Erwachsene vorbehaltlos zu empfehlen. DTV (Premium Tb. 24883) 2011, 237 S. 12,90 € H.K.
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So oder so ist das Leben Roman, ab 14 Jahre Eine herrliche Komödie aus dem Lande Moliers! Einen Schwarm schräger Vögel lässt
Murail auf der Bühne eines eigentlich tragischen Geschehens erscheinen, denn immerhin geht es um die ungewollte
Schwangerschaft der siebzehnjährigen Violaine, die zudem nicht nur seelisch in eine tiefe Krise führt. Aber als
hätte die Autorin den guten Ausgang des Buches vorweg geahnt, erzählt sie die Ereignisse voller Humor und mit
sprühendem Witz. Violaines Vater ist ein berufsmüder, zynisch gewordener Arzt, der kurz vor einem Infarkt steht
und für den schwarzen Humor verantwortlich ist. Sein Pendant ist der junge Doktor Chasseloup, der vielleicht etwas zu
gutmütig ist und sich auch für eingebildete Kranke viel Behandlungszeit nimmt. Der Roman lebt von seinen interessanten Charakteren, die den Leser mit wunderbaren Dialogen unterhalten. Nicht selten habe ich beim Lesen schallend gelacht! So ist die Geschichte zugleich vergnüglich und aufklärend, vor allem für junge Frauen. Fischer Schatzinsel 2011, 253 S., 13,95 € H.K.
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Diebe! Roman
ab 12 Jahre Der Roman spielt im 'Barrio', dem Elendsviertel einer fiktiven lateinamerikanischen Stadt. Unter
Anleitung der zwielichtigen Fay 'arbeitet' eine Gruppe jugendlicher Diebe, deren begabteste sind das Mädchen Baz und
der Junge Demi. Sie besuchen keine Schule und hatten nie eine Chance auf ein anderes Leben. Fay, die das Diebesgut einsammelt,
muss ihrerseits Abgaben an Senor Moro bezahlen, den Gangsterboss des Barrios. Eines Tages bestiehlt Demi unwissentlich die
Frau des Polizeipräsidenten und erbeutet dabei einen sehr wertvollen Ring. Damit löst sie eine Lawine von
Ereignissen aus, die schließlich die Existenz des ganzen Stadtviertels bedroht. In zahlreichen Abenteuern beweisen
Baz und Demi ihre Überlebenskünste, doch gelingt das nicht allen ihren Freunden. Eindrucksvoll wird das Alltagsleben in den Slums geschildert, die komplette Durchdringung mit Korruption und organisierter Kriminalität, die unhygienischen, krank machenden Lebensumstände, die ständige Bedrohung durch Gefängnis, Arbeit auf der todbringenden Giftmülldeponie oder einfach durch Erschießen auf offener Straße, kurz: die Aussichtslosigkeit für die Bewohner von Geburt an. So hinterlässt der äußerst spannend geschriebene Roman, wie sicher beabsichtigt, eine heftige Wut auf die großen Diebe, die so vielen Menschen, nicht nur in Lateinamerika, das Leben zur Hölle machen. Beltz Taschenbuch 2011, 413 S., 8,95 € H.K.
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Nichts Was im Leben wichtig ist
Roman, aus dem Dänischen, ab 14 Jahre Von der Anlage her handelt es sich um einen durch Gruppendynamik ausgelösten Eskalationsroman,
wie man ihn etwa von William Goldings Herr der Fliegen oder Morton Rhues Die Welle kennt. Er spielt in der
Schule einer gesichtslosen dänischen Kleinstadt. Ein junger Existentialist, Pierre Anthon, provoziert seine Klasse mit
der Behauptung: "Nichts bedeutet irgendetwas… Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun." Fortan lebt er hoch
auf einem Baum und macht sich über den falschen Lebensernst seiner Mitschüler lustig. Diese zeigen sich beeindruckt
und beginnen, in einem verlassenen Sägewerk heimlich Dinge zu sammeln, die für sie "Bedeutung" haben. Dass
aber jede Schülerin oder jeder Schüler vom nächsten Klassenkameraden verlangen darf, was er abzugeben hat,
löst eben jene Gruppendynamik aus, die in die Katastrophe führt. Der Roman erhält seinen starken Sog durch die suggestive monothematische Durchführung. So gibt es hier keine Nebenhandlungen, keine Abschweifungen, kaum Landschafts- oder Umgebungsbeschreibungen. Dazu gehört auch die Erzählperspektive, die von einer Mitschülerin, Agnes, eingenommen wird. Sie gehört nicht zu den treibenden Kräften, ist eher die typische Mitläuferin, die eben aber auch den Lauf der Dinge nicht kritisiert oder aufhält. Ihre neutrale, nicht wertende Schilderung der Vorgänge gehört zu den stärksten Provokationen des Buches. Es lebt von der Radikalität seiner existentialistischen Fragestellung und formuliert das jugendliche Gefühl, dass die Erwachsenen sich in einer Welt der Lebenslügen eingerichtet haben, um die vielfach sinnlose Plackerei zur bloßen Daseinserhaltung nicht infrage stellen zu müssen. Der Roman endet zynisch, fordert den Leser aber zu eigenständigem Weiterdenken auf. Darin liegt sein unbezweifelbarer Wert. Hanser 2010, 139 S., 12,90 € H.K.
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Die geheime Benedict-Gesellschaft Bd. 3: Und die große Entscheidung
Roman, aus dem Engl., ab 10 Jahre Im letzten Band dieser Trilogie kommt es nach einem etwas langsamen Start, in dem allerdings wieder
viele interessante Denksportaufgaben zu lösen sind, zu einem spannenden Showdown, nachdem es dem skrupellosen Ledroptha
Curtain
gelungen ist, den 'Flüsterer', die große Manipulationsmaschine, in seine Gewalt zu bringen. Er verschanzt sich
in einem ehemaligen Gefängnis am Rande von Stonetown, wo er außerdem drei der Kinder als Geiseln gefangen
hält. In einer abenteuerlichen Schlacht besiegen die Mitglieder der Geheimen Benedict-Gesellschaft Curtains
Wachmannschaft, wobei der 'Flüsterer' endgültig zerstört werden soll... Nach dem schwächeren, etwas zu konstruiert wirkenden zweiten Band glänzt der Schlussband wieder durch geistreiche Aufgaben für die Kinder, höchst spannende Episoden und raffinierte Erzählstrukturen. Zwar spürt man gelegentlich die Regeln eines Creative Writing, die allzu glatte Oberfläche und Perfektion, der ein wenig die Reibeflächen fehlen. Dennoch gehört die Benedict-Trilogie zweifellos zur Spitzenklasse im aktuellen Jugendbuchbereich. Bloomsbury (Berlin Verlag) 2010, 409 S., 17,90 € H.K.
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BOOM! Vom Autor des Bestsellers "Supergute Tage"
Für alle ab 11 Jahre Als der 13-jährige Jim, genannt Jimbo, von seiner gemeinen Schwester Lizzy erfährt, dass er
angeblich auf eine Sonderschule versetzt werden soll, beschließt er auf den Rat seines besten Freundes Charlie hin,
das Lehrerzimmer mit Hilfe eines Walkie-Talkies abzuhören, um herauszubekommen, ob Lizzy gelogen hat. Dabei hören
die beiden plötzlich, wie zwei Lehrer, sobald sie allein im Lehrerzimmer sind, sich in einer völlig fremden Sprache
unterhalten. Nachdem Charlie bald danach herausfindet, dass es sich bei den Lehrern tatsächlich um Aliens handelt,
verschwindet er spurlos. Entschlossen, seinen besten Freund zu retten, macht Jim sich, von Lizzy begleitet, auf den Weg. Es
beginnt ein aberwitziges Weltraum-Abenteuer, in dessen Verlauf nicht zufällig Douglas Adams’ Per Anhalter durch die
Galaxis zitiert wird. Ein wunderbar witziger Schelmenroman und zugleich eine Freundschaftsgeschichte, ebenso ungewöhnlich wie anrührend. Wer etwas Sinn fürs Absurde mitbringt, kann sich hier köstlich unterhalten lassen. Loewe Verlag 2010, 220 S., 12,95 € H.K.
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Erebos Thriller
Für alle Leserinnen und Leser ab 12 Jahren Nick Dunmore ist ein ganz normaler Schüler, normal verliebt in die ihm unerreichbar scheinende
Emily, an einer normalen Londoner Schule. Doch seit einiger Zeit gibt es ein Geheimnis an der Schule. Schüler sondern
sich ab, eine ominöse CD wird heimlich immer weiter gereicht. Dann wird auch Nick angesprochen. Brynne, ihrerseits in
Nick verliebt, gibt ihm eine Kopie der streng geheim zu haltenden CD. Als Nick die CD in seinen Computer steckt, öffnet
sich Erebos, das faszinierendste Fantasyspiel, das er je gesehen hat. Der Name stammt aus der griechischen Mythologie,
wo Erebos als einer der ersten aus dem Chaos entstandenen Götter die vollkommene Finsternis verkörpert! Das
Computerspiel bietet absolut realistische Animationen, eine unfassbar intelligente Kommunikation und spannende Aufgaben.
Nick ist sofort gefesselt und stimmt den eigenartigen Regeln zu, deren Einhaltung absolute Bedingung der Teilnahme ist. So
darf er nur spielen, wenn er allein im Zimmer ist und er muss alles Erlebte geheim halten. Seine Figur, die er Sarius nennt,
hat auch nur ein Leben, verliert er das, ist er aus dem Spiel. Es gibt aber einen geheimnisvollen Boten, der schwer
verwundete Spieler retten kann. Dafür verlangt er allerdings eine Gegenleistung in der Wirklichkeit, die genauso geheim
zu halten ist. Die Teilnehmer verändern sich durch das Spiel, die Aufträge in der Realität werden immer
dubioser, die Spaltung der Schülerschaft wird immer tiefer. Ausgerechnet Emily, die nicht an Erebos teilnehmen
will, scheint es zu stören, dass auch Nick sich so von ihr entfernt. Lange weiß man nicht, wer und was hinter Erebos steckt, und wenn man es erfährt, dreht sich die Spannungsschraube noch einmal um eine Umdrehung. Ursula Poznanski ist das spannendste Buch über die Problematik von Fantasyspielen gelungen, das ich je gelesen habe. Bis zum Schluss überrascht sie den Leser mit neuen Wendungen und Enthüllungen und wahrt dabei doch die Stimmigkeit und innere Logik ihres Plots. Ihre Charaktere sind vielschichtig und die Entfaltung des Themas lässt kein Schwarz-Weiß-Schema zu. Der Roman wird sicherlich Furore machen und bietet allen Lesern ab 12 Jahren aufwärts ein großartiges Leseerlebnis. Loewe Verlag, Taschenbuch 2011, 485 S., 9,95 € H.K.
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